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Identitätssensible Kommunikation am Beispiel des schulischen Umgangs mit islambezogenen Themen in Zeiten des Rechtspopulismus

Der Aufsatz behandelt die Frage, wie Lehrkräfte in der pluralistischen Gesellschaft Deutschlands mit islambezogenen Themen im Unterricht umgehen können, ohne Muslim:innen zu stigmatisieren oder Vorurteile zu verstärken.

Turan zeigt auf, dass Aussagen wie „Wenn Sie türkische Jungs in Ihrer Klasse haben, dann müssen Sie als Frau schon mal damit rechnen, nicht respektiert zu werden“ auf einem „kulturalistischen Kurzschluss“ beruhen, der Verhalten einfach mit vermeintlicher Herkunftskultur erklärt, statt differenziert auf Milieus einzugehen. Als analytisches Werkzeug gegen Pauschalisierungen schlägt Turan das Konzept muslimischer Milieus vor, die sich stark voneinander unterscheiden.

Weiter analysiert Turan drei islambezogene Diskurstypen in Deutschland: Eskalierende Konfliktdiskurse, die Unvereinbarkeit betonen; apriorische Egalisierungsdiskurse, die Probleme verharmlosen; und differenzierende Anerkennungsdiskurse, die individuelle Identitätsentwicklung fördern. Letztere hält Turan für am besten geeignet, um auch konfliktassoziierte Themen wie Ehrenmorde oder Antisemitismus pädagogisch sinnvoll zu behandeln. Hierfür skizziert Turan konkrete methodische Hinweise für Lehrkräfte.

Turans plädiert dafür, Muslim:innen in Deutschland „trotz interkulturell heikler Themen noch positive Identifikationsmöglichkeiten“ zu geben und ihre „freie Selbstbildung und Selbstdefinition“ zu unterstützen. Denn laut Turan besteht die Gefahr, dass öffentliche Diskurse und Schulpraxis ungewollt „künstliche ‚Unvereinbarkeiten‘ zwischen deutscher und muslimischer Identität“ suggerieren.

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