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Medien zu (Rechts-)Populismus und Religion. Lineaturen in Film, Social Media und aktuellen Studien

Viera Pirker setzt sich mit dem Thema Rechtspopulismus in Verbindung mit den Medien und Religion auseinander. Sie betont, dass Rechtspopulismus politisch, gesellschaftlich und religiös nicht ignoriert werden kann, insbesondere angesichts der wachsenden politischen Präsenz rechtspopulistischer Bewegungen und Regierungen in Europa. Pirker stellt fest, dass sowohl der Islam als auch das Christentum offen sind für kollektive Identifikationen, Opferverständnisse und Identitätskonstruktionen, welche für verschiedene Formen des Populismus bedeutend sind.

Beispielhaft geht sie ein auf den Film „Je suis Karl“ aus dem Jahr 2021. Dieser handelt von einer jungen Frau namens Maxi, die ihre Familie bei einem terroristischen Anschlag verliert und dann von einer Bewegung namens namens „Re-Generation Europe“ rekrutiert wird, um deren Botschaft zu verbreiten. Diese Gruppe, obwohl scheinbar positiv und inklusiv in ihrer Selbstdarstellung, entpuppt sich schließlich als rechtspopulistische Bewegung. Sie „scheint nicht explizit rechtsextrem, sondern lifestyle-orientiert und wertekonservativ zu sein.“ Das pädagogische Begleitmaterial zum Film hebt dementsprechend hervor: „Politische Haltungen sind heute oft nicht mehr auf den ersten Blick erkennbar“. Die Filmanalyse zeigt Mechanismen, wie rechtspopulistische Bewegungen gezielt und mittels Verwendung von Fake News und Halbwahrheiten Medien und soziale Netzwerke nutzen, um ihre Botschaften zu verbreiten und Emotionalität und Personalisierung effektiv einzusetzen. Dabei spielen antimuslimische Ressentiments und Vorurteile gegenüber Geflüchteten eine wichtige Rolle. Demgegenüber tritt im Film Yusuf auf, ein Geflüchteter, der zwischen der westlichen und der islamischen Welt vermittelt und zum Retter von Maxi und ihrem Vater Alex wird – eine Wendung, die dazu anregt, über Stereotypen und Vorurteile nachzudenken.

Pirker betont die Notwendigkeit, die Verbindungen zwischen medialen Darstellungen, Plattformpraktiken und dem Rechtspopulismus zu erkennen und zu analysieren. In der Mediatisierung von Religion dienen Medien nicht nur zur Informationsvermittlung, sie können auch zur Diversifikation religiöser Überzeugungen beitragen, aber auch zur Radikalisierung, wobei insbesondere soziale Medien Plattformen für Selbstsozialisierung bieten.

Anhand der interdisziplinären Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Kirche und politischer Kultur lassen sich Verbindungen von gruppenbezogenen Vorurteilen, Ressentiments und Hassrede im Kontext von Religiosität und politischer Kultur nachvollziehen. Dabei zeigt sich Geschlecht bzw. Gender als eine entscheidende Dimension rechtspopulistischer Polarisierung.

Der Textbeitrag geht zurück auf einen Vortrag im Rahmen unserer Tagung zu „Rechtspopulismus und Religion“.

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